Kogelseespitze 2.647 m (Lechtaler Alpen)



Gramais - Otterbachtal - Gufelalple

Zeitig mußten wir heute für eine lange Bergtour aufstehen. Unsere radbegeisterten Urlaubsgäste haben wir unten im Lechtal abgesetzt; ein Traumtag auf ihren Fahrrädern zurück nach Füssen durch die Wildflußlandschaft des Lechs liegt vor ihnen.
Im Tiroler Bergdorf Gramais begrüßt uns auf 1.300 m Höhe ein bitterkalter Septembermorgen.
Die Bergschatten liegen noch tief über dem Otterbachtal, das wir zum Warmwerden raschen Schrittes durchwandern. Am Talende, am sogenannten Branntweinboden, zieht der Weg steil in Serpentinen bergauf, gewürzt mit einer Drahtseilpassage über eine glatte Felsplatte. Die Wegmarkierungen werden spärlicher, ein ausgewaschenes Bachbett im Latschenverhau verlangt konzentriertes Steigen; aber schön warm geworden ist es uns.
Die ersten Sonnenstrahlen begrüßen wir umso freudiger. Nach der Steilpassage bis zum Vorderen Gufelkopf mit seiner charakteristischen Gesteinsfaltung genießen wir bei einer ersten Trinkpause die Aussicht und die Ruhe - wir sind die einzigen Bergsteiger weit und breit. Nur eine stattliche Haflingerherde begleitet uns auf der Hinteren Gufelalpe neugierig ein Stück weit.


Gufelsee - Gufelseejoch - Gipfelgrat Kogelseespitze

Der Gufelsee glänzt wie ein herrlicher Edelstein in der Sonne und lädt zu einer kurzen Rast ein. Über dem Alblitjoch stehen unverkennbar Feuerspitze und Lechtaler Wetterspitze am Horizont.
Vom Gufelseejoch aus streicht der Gipfelgrat der Kogelseespitze durch wechselnde Gesteinsschichten, mal plattig, kleinsplitterig, dann kompakt aufgetürmt zu einem Steintor.
Lechtaler Alpen - mit jedem Schritt bergauf zur Kogelseesptize wachsen jetzt am Horizont immer mehr Berge empor: Muttekopf, Große Schlenkerspitze, Dremelspitze und Bergwerkskopf.


Gipfel der Kogelseespitze 2.647 m

Nach fast 5 Stunden Aufstieg stehen wir glücklich am Gipfel der Kogelseespitze, den wir heute nur mit 2 anderen Bergsteigern auf Hüttenwanderung durch die Lechtaler Alpen teilen.
Der Wetterbericht hatte Recht behalten.
Ein stahlblauer Himmel spannt sich schier unendlich über der Bergwelt. Uns gegenüber liegt die Schafkarspitze mit dem vorgelagerten Hirschhals. Am Horizont reckt sich der Allgäuer Hauptkamm mit Mädelegabel, Trettachspitze und Großem Krottenkopf. Auf dem Bild daneben die formschöne Pyramide des Thanellers, rechts daneben das begrünte Gipfeldach der Namloser Wetterspitze. Am südlichen Horizont in der Mittagssonne gleißen die Gletscher der Ötztaler Alpen.




Wie schnell verfliegt eine Stunde auf einem Gipfel.
Der Rückweg ist noch weit.
Als wir wieder hinunter in's Otterbachtal steigen,
empfangen uns die kühlen Schatten der Abenddämmerung.
Was sagen schon die nackten Zahlen über eine Bergtour?
1.310 Höhenmeter im Aufstieg und fast 9 Stunden Gehzeit.
Das bleibende Erlebnis zählt.
Berg Heil!


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